Wir lieben Bienen. Imkern für Anfänger.

Wir lieben Bienen. Imkern für Anfänger.

Imkern für Anfänger – ein Erfahrungsbericht mit spannenden ersten Schritten im Bereich des Imkerns.

In unseren Garten sind vor ein paar Jahren zwei Bienenvölker eingezogen. Zuvor hatte ich eine ganze Weile darüber nachgedacht, bevor ich meinen Wunsch, nach eigenen Bienen, schließlich verwirklicht habe. Ich war mir nicht ganz sicher ob und wie ich die Aufgaben einer Imkerin bewältigen kann, habe viel gelesen und viel mit anderen Imker*innen gesprochen. Doch irgendwann war der richtige Zeitpunkt da.

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Erste Erfahrungen. Von einem befreundeten Imker konnte ich zwei starke Sammelbrutableger aus dem letzten Jahr zusammen mit zwei gebrauchten Beuten – so heißt das Haus in dem die Bienen wohnen – kaufen.
Bienen werden auf unglaublich viele verschiedene Arten gehalten. Zander, Deutsch Normalmaß, Langstroth und Dadant sind die gebräuchlichsten Systeme, aber bei weitem nicht die einzigen. Es gibt prinzipielle Unterschiede in der Haltung, aber manchmal geht es auch nur um Zentimeter, um die sich der Bienenstock, die sogenannte Beute, eines Systems, von der eines anderen unterscheidet. Und natürlich ist jeder Imker davon überzeugt, dass das System, das er benutzt, das einzig Richtige und Beste ist. Ich sehe das etwas pragmatischer. Eine Baumhöhle (die ursprüngliche Wohnstätte von Bienen) ist auch nicht genormt. Jedes System hat wahrscheinlich Vor- und Nachteile – wenn auch mehr für die Imkerinnen und Imker als für die Bienen. Die kümmert es eher nicht ob ihre Wohnung 482 mm oder 470 mm Innenraum bietet. Ich habe mich für Dadant-Blatt Beuten entschieden, weil nur wenige Meter von unserem Garten entfernt ein Imker mit genau diesem System arbeitet. Er berät mich bei meinen Versuchen als Jungimkerin und da macht es einfach Sinn mit dem gleichen System zu arbeiten.

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Wenn die Kirschen blühen wird der erste Honigraum aufgesetzt. Meine erste Aktion als Jungimkerin verlief recht unspektakulär. Sobald die Kirschen blühen geben die Bienen Gas und brauchen Platz um Honig einzutragen. Deshalb musste ich den Brutraum mit einen Honigraum erweitern. Ich habe quasi die Bienenwohnung um ein Stockwerk ausgebaut. Das Ganze war ein wenig improvisiert, weil meine Ausrüstung noch nicht vollständig war. Den Rauch zur Bienenberuhigung habe ich mit feuchter Pappe erzeugt, die allerdings dann doch recht schnell abbrannte … Gut, dass die Bienen einen guten Tag hatten, und trotz meiner Stümperei recht entspannt reagierten. Nach drei Tagen habe ich durch Zufall festgestellt, dass ich den Honigraum auf dem rechten Bienenstock in der Aufregung um 90° verdreht aufgesetzt habe, aber das konnte ich schnell und ohne viel Aufwand korrigieren.

Rähmchen fertig machen. Brut- und Honigrähmchen bereitet man eigentlich im Winter, wenn man sonst nichts zu tun hat, vor. Ich mache das halt jetzt. Der Imker, der mir die Bienen verkauft hat, hat mir für jede Beute fünf Honigrähmchen gegeben, mehr konnte er nicht entbehren. Insgesamt passen elf in jeden Honigraum. Ich brauche laut meinem Imkervater Rähmchen für drei Honigräume pro Beute, macht also insgesamt noch 56 Rähmchen. Es hat gut zwei Stunden gedauert, die Mittelwände aus Wachs mit unserem günstig gebraucht erstandenen Wabenlöter in die fertigen Rähmchen zu löten. Mal sehen ob sich das in der nächsten Saison noch optimieren lässt. Insgesamt rechnet man pro Volk und Jahr einen Aufwand von rund 15 Stunden. Die meisten davon fallen zwischen April und Juli an. Ab August geht es dann entspannter zu und im Winter machen die Bienen und die Imkerin eine lange Pause.

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Kosten für die Imker-Erstausstattung. Mal eben so schafft man sich zwei Bienenvölker und die dazugehörige Imkerausrüstung nicht an. Da kommt schon ganz schön was zusammen. Für einen Ableger, also für ein Bienenjungvolk, muss man ca. 140 Euro rechnen. Dazu kommt die Beute, die in der Basisausstattung ab ca. 100 Euro zu haben ist. Ich habe meine Beuten gebraucht deutlich günstiger erstanden. Rähmchen, Wachs für die Mittelwände, ein Smoker, eine Imkerjacke mit Hut und Schleier, Handschuhe, ein Stockmeißel, ein Wabenheber, Bienenflucht, extra Honigräume usw. schlagen noch einmal mit ca. 400 Euro zu Buche. Schleudern werde ich an einer kostenlos nutzbaren Schleuder vom Imkerverein. Den Kauf einer eigenen habe ich vorerst nicht geplant. Allerdings werde ich wahrscheinlich noch eine dritte Beute brauchen. Meine beiden Völker sind jetzt schon recht stark und bevor sie schwärmen will ich lieber einen neuen Ableger bilden.

Insgesamt kommt man bei zwei Völkern auf ca. 1.000 Euro für die Erstausstattung. Kein ganz günstiges Hobby. Aber mit dem Verkauf des Honigs bekommt man zumindest einen Teil wieder rein.

Die erste Honigernte. In meinem ersten Imkerjahr konnte ich die Honigernte kaum erwarten. Immer wieder habe ich nachgeschaut, ob die Honigwaben schon verdeckelt und damit erntereif waren. Dreimal habe ich in dem Jahr geschleudert. Einen Frühlings-, einen Frühsommer- und einen Spätsommerhonig abgefüllt. Der erste eigene Honig, das ist wirklich etwas ganz Besonderes.

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Inzwischen gehe ich das Ganze entspannter an. Das ist besser für mich und vor allem auch für die Bienen. Die mögen es nicht so gerne, wenn man sie ständig bei ihrer Arbeit stört.
Ich habe viel gelernt in den vergangenen Jahren. Über Bienen, die Natur und über ich. Aus einem Hobby ist eine tiefe Faszination und Leidenschaft geworden, die mich wohl nie wieder los lassen wird.

Eure Anja Klein von den Natur-Talenten.

P.S.: Ihr wollt mehr zum Thema Bienen, ihren besten Futterquellen und Nützlingsfreundlichem Gärtner erfahren? Dann schaut mal wieder in unseren Filialen vorbei.