Gartencenter Kremer. Die Naturtalente | Rosige Zeiten

Rosige Zeiten

29.04.21

Wir durften den blühenden Garten von Thomas Vollmert besuchen. Hier die wunderschönen Eindrücke.

Thomas Vollmert gräbt gerne in der Erde, aber er mag es nicht, wenn sie in seinen Beeten zu sehen ist. Dicht an dicht stehen deshalb die Pflanzen, eine überbordende Pflanzengemeinschaft bevölkert den ganzen Garten.

Gerade mal 500 Quadratmeter hat der leiden-schaftliche Gärtner zur Verfügung. Eingebettet in die wunderschöne Sauerländer Landschaft wirkt der Garten aber um ein Vielfaches größer. Man kann gar nicht so richtig erkennen wo er auört und wo die Umgebung beginnt. Betritt man den Garten im Juni zieht die zauberhafte Ramblerrose Apple Blossommit ihren ungefüllten rosa Blüten alle Blicke auf sich. Sie hat den alten Apfelbaum komplett erobert und auch ich bin hin und weg von ihrem Anblick. Seit zehn Jahren verwandelt sie den Garten zuverlässig für drei bis vier Wochen in einen rosigen Traum. Apple Blossom ist die auffälligste, aber nicht die einzige Rose in diesem Garten. Die Austin Rose Wild Edric steuert ein dunkles Purpur und eine unbekannte Schönheit ein frisches Weiß bei. Sehr schön ist auch die Kombination von rosa Rosenblüte und lila Clematis. Ansonsten sind bei unserem Besuch viele Grüntöne zu sehen. Ein überraschend gesunder Buchs, die Sorte blauer Heinz, bringt Struktur in die kleinteiligen Gartenräume. Dem gefürchteten Buchsbaumzünsler scheint diese Sorte nicht so gut zu schmecken, Daumen gedrückt, dass das so bleibt.

Als Thomas Vollmert den Garten von seinen Eltern übernommen hat, waren auf der ganzen Fläche Gemüsebeete angelegt. Die ersten mussten für den kleinen Teich weichen, dann kam die Eibenhecke. Von seinen jährlichen Gartenreisen nach England kam Thomas immer mit neuen Ideen und Inspirationen zurück und Stück für Stück ist dann dieser sehr besondere Gartentraum entstanden.

,, Das Wissen über Standortansprüche habe ich mir erst über die Jahre erarbeitet"

„Am Anfang habe ich vieles gekauft, was nicht geeignet war. Inzwischen kennt Thomas Vollmert sich sehr gut aus in der Welt der Stauden. Als Volontär des National Trust wollte er im letzten Jahr, im traumhaften Garten des englischen Herrenhauses Iford Manor, sein Wissen noch vertiefen. Gedacht war der mehrwöchige Aufenthalt als persönliches Geschenk zum Einstieg in den Ruhestand. Nun ja, daraus wurde dann leider nichts, aus bekannten Gründen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sobald Reisen wieder möglich sind, wird Thomas sich diesen langehegten Wunsch erfüllen.

Bis dahin hat er auch im eigenen Garten genug zu tun. Jeden Morgen verbringt er eine Stunde dort und abends kommt er nicht vor 21.30 Uhr ins Haus. Im Frühjahr zieht er in seinem kleinen, ans Haus angebauten Glashaus, einjährige Sommerblumen vor. Hier überwintert auch seine kleine Sempervivum-Sammlung. Sind die vorgezogenen Blumen groß genug, um sich in den eng bepflanzten Beeten durchzusetzen, platziert der Gärtner sie dort, wo sie ihm am besten gefallen. Gegossen wird nur bei der Pflanzung. Den Rest der Saison müssen die Pflanzen alleine klar kommen. Wer das nicht schafft, darf wieder gehen.

Bleiben darf dafür seit neuestem der Giersch.

Bis letztes Jahr hat Thomas den sprießenden Giersch einmal im Frühling gejätet. Los geworden ist er ihn so nicht. Im letzten Jahr hat er ihn einfach stehen lassen und es war auch nicht mehr als in den Jahren davor. Der dichte Beetbewuchs hält ihn über Sommer im Schach. In Zukunft vertraut Thomas einfach auf die Selbstregulierungs-kräfte seines Gartens.

Auch sonst greift er nur vorsichtig in das Gartengleichgewicht ein. Im Frühjahr stärkt er seine Rosen mit zwei bis drei Tage alter Brenn-nesseljauche. Im Sommer düngt er sie alle zwei bis drei Wochen, aber nur bis Ende Juni. Sein Tipp für den unkomplizierten Rosenbegleiter Frauenmantel: nach der Blüte radikal abschnei-den, nach kurzer Zeit bildet sich dann wieder ein kompaktes grünes Kissen.

Und noch ein Tipp von Thomas Vollmert: im Herbst wird der sonst so fleißige Gärtner faul und lässt alle Stauden stehen. Wildbienen, Insekten und Schmetterlinge freuen sich über die Überwinterungs- und Nistmöglichkeiten. Vögel über das Futter in den vertrockneten Samenständen. Erst wenn die Frühlings-sonne sich blicken lässt, greift Thomas wieder zur Gartenschere, räumt auf und freut sich auf das neue Gartenjahr.

Eure Anja Klein @derkleinehorrorgarten


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