Kremer | Baby-Station für Pflanzen

Baby-Station für Pflanzen



Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wo die Pflanzen-Babys herkommen, die, wenn sie zu einer stattlichen Pflanze herangewachsen sind, in Eurem Einkaufswagen landen? Also der Storch hat mit der Sache ganz sicher nichts zu tun, obwohl auf einem alten stillgelegten Kamin der Firma Kientzler seit Jahren schon ein Storchenpaar seine Jungen ausbrütet.

Seit vier Generationen wachsen in den Gewächshäusern der Familie Kientzler kaum daumengroße Stecklinge zu kompakten Jungpflanzen heran. Gegründet wurde der Familienbetrieb 1904 von Alexander und Andreas Kientzlers Urgroßvater. Ihre Großmutter hat ihn dann von Bad Kreuznach nach Gensingen verlegt. Dort gab es mehr Platz für die großen Gewächshäuser.

Die Pflanzen- Babys mögen es gerne kuschelig warm und hell. Über die Jahre wurde der Betrieb mehrfach erweitert. Inzwischen umfasst das Betriebsgelände rund 5,5 Hektar Glashäuser und mehrere Tochterfirmen. Auch ein kleines Museum zur Firmengeschichte gehört dazu und ein wunderschön angelegter Schaugarten. Hier können die Kunden der Firma Kientzler das Pflanzensortiment in seiner ganzen Pracht bewundern. Hier werden auch die Fotos für den umfangreichen Sortimentskatalog gemacht.

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Die Vermehrung von Zierpflanzen erfolgt in der Regel über die Gewinnung von Stecklingen. So ist sicher gestellt, dass die neuen Pflanzen genau die gleichen Eigenschaften haben, wie die Mutterpflanzen. Früher wurden die Stecklinge vor Ort gewonnen und vermehrt, heute hat sich die Stecklingsgewinnung in Südbetriebe in Costa Rica, Kenia und Israel verlagert. Dort herrschen bessere klimatische Bedingungen für die Mutterpflanzen. Es wird weniger Fremd-Energie in Form von Licht und Wärme benötigt, um kräftige Pflanzen zu erzeugen.

Die Mutterpflanzen selbst stammen aus der Züchtung der Firma Kientzler. Drei Züchterinnen sind in der Tochterfirma InnovaPlant Tag für Tag damit beschäftigt durch Kreuzung neue, noch schönere und robustere Pflanzen zu züchten. Die Züchtung erfolgt ganz traditionell und ohne den Einsatz von Gentechnik. Mit einem kleinen Pinsel werden die Pollen auf sorgfältig ausgewählte Kreuzungspartner übertragen und mit einem Teebeutel geschützt. Dann heißt es erst einmal warten.

Pflanzenzüchtung hat sehr viel mit Geduld zu tun. Drei Jahre dauert es nach der Kreuzung, bis fest steht, ob die neue Züchtung den hohen Ansprüchen des Familienunternehmens genügt. Solange wird die neue Pflanze auf Herz und Nieren geprüft: Ist sie widerstandsfähig gegen Krankheiten? Wie kommt sie mit Schädlingen klar? Bildet sie dichte und kräftige Wurzeln? Blüht sie üppig und ausdauernd? Halten ihre Blüten einem kräftigen Sommerschauer stand? Schließen sie sich bei Regen? Wie kommt die Pflanze mit Trockenheit zurecht. Gerade nach dem letzten trockenen Sommer ein wichtiger Aspekt. Hat die Neuzüchtung die Prüfung und auch den umfangreichen Labortest auf Virenfreiheit mit gutem Ergebnis überstanden, macht sie sich auf die Reise in die Südbetriebe der Firma Kientzler. Dort wird sie unter optimalen Bedingungen kultiviert und als Mutterpflanze für die Stecklingsgewinnung eingesetzt.

In der Hauptsaison von Januar bis März kommen mehrmals in der Woche Stecklinge bei Kientzler in Gensingen an. Hier werden die daumengroßen Stecklinge in Topfpaletten vereinzelt und in den Gewächshäusern in drei bis sechs Wochen zu Jungpflanzen herangezogen.

Bevor die Pflanzen-Teenager zu uns in den Gartencenter geliefert werden, durchlaufen sie noch weitere Stationen. Bei einem auf verkaufsfertige Pflanzen spezialisierten Produzenten wachsen sie in sieben bis acht Wochen zu kräftigen blühenden Pflanzen heran. Bereit für den Umzug in Euren Garten.